Yoga – das zur Ruhe bringen des Geistes
„yogas citta vrtti nirodhah“ (Vers 1.2.)
Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist.
So beschreibt Patanjali im zweiten Vers der Yoga Sutren, was Yoga im Kern bedeutet.
Ursprünglich war die Asana Praxis (die körperliche Praxis) nicht dazu gedacht, besonders flexibel zu werden oder Kraft aufzubauen. Sie diente einzig und allein dem Ziel, den Körper auf die Meditation vorzubereiten – auf das lange, stille Sitzen im Lotussitz (Padmasana).
Denn erst wenn Körper und Geist ruhig sind, kann sich Bewusstheit entfalten.
Yoga ist also ein Weg der inneren Sammlung – hin zu mehr Frieden, Klarheit und Verbindung mit sich selbst.
Über den Körper zur Selbsterkenntnis
Unser Körper ist greifbar, spürbar, grobstofflich.
Über ihn finden wir den leichtesten Zugang zu uns selbst.
Wenn wir Yoga üben, geht es nicht darum, „besser“ zu werden oder eine Pose perfekt zu meistern. Es geht darum, wahrzunehmen:
Wie fühlt sich mein Körper heute an? Wo halte ich fest? Wo darf ich loslassen?
Yoga lehrt uns, wertfrei zu beobachten – ohne Vergleich, ohne Urteil.
So wie wir in den Asanas (Körperhaltungen) stehen, sitzen oder liegen, spiegelt uns der Körper, was gerade da ist. Stärke, Müdigkeit, Unruhe oder Gelassenheit.
Durch dieses bewusste Spüren lernen wir uns selbst kennen – mit all unseren Facetten.
Selbstbegegnung statt Selbstoptimierung
Yoga ist kein Wettbewerb, sondern eine Einladung zur Ehrlichkeit.
Wie gehe ich mit Herausforderungen um? Was passiert, wenn etwas nicht so läuft, wie gestern?
Im Halten einer Position zeigt sich unsere innere Haltung. Wir üben Geduld, Vertrauen, Mitgefühl. Das lässt uns von innen heraus widerstandsfähiger werden.
Mit jeder Praxis wächst nicht nur Flexibilität im Körper, sondern auch im Geist.
Jeder Mensch kann Yoga
Yoga ist kein exklusiver Weg, sondern offen für alle.
Denn jeder Mensch kann sich auf den Weg zu sich selbst machen.
Bewegung, Atem, Meditation, Achtsamkeit – all das sind Tore, durch die wir in Verbindung treten können. Und nur darum gehts – Verbindung.
Yoga bedeute Einheit.
Und diese Einheit finden wir nur, wenn wir uns verbinden. Mit uns Selbst, mit unserem Gegenüber, mit Allem was uns umgibt.
Im sogenannten achtgliedrigen Pfad beschreibt Patanjali die Grundlagen des Yogaweges.
Die ersten beiden Glieder sind Yamas und Niyamas – ethische Prinzipien, die unseren Umgang mit anderen und mit uns selbst leiten.
Sie erinnern uns daran, dass Yoga nicht auf der Matte endet, sondern in jedem Moment unseres Lebens geübt werden kann: in unseren Gedanken, Worten und Handlungen.
Wenn wir liebevoll, achtsam und wahrhaftig durchs Leben gehen, wird Yoga zur gelebten Haltung – mitten im Alltag.
Yoga als lebensbejahende Praxis
Yoga ist eine uralte Lehre – über 3000 Jahre alt – und doch aktueller denn je.
Es ist eine Philosophie, die Körper, Geist und Seele vereint.
Wir können Yoga in vielen Formen leben:
- durch Asana – die Körperübungen
- durch Pranayama – bewusste Atemlenkung
- durch Konzentration und Meditation – Stille und Achtsamkeit
- durch den bewussten Umgang mit uns selbst und anderen